Die Feder,...




...sie hat der Vogel im Flug verloren, fällt leise
und lange nach unten. Segelt, vom Wind
getragen übers Land.
Schwebt mal auf einer Stelle, hebt sich wieder,
und dreht sich um die eigene Achse.
Sanft berührt sie die Grashalme, gleitet
darüber, um sich in einem Ästchen zu verhaken,
löst sich wieder, und bekommt Gesellschaft
von einem Blatt.
Gemeinsam fliegen sie wieder
hoch, wirbeln, tanzen in der
Luft und treiben über 
Wiesen und Felder.


Am Waldrand dann, eine Sturmbö nach oben,
wie ein Lift geht’s hinauf, und sie düsen über
die Bäume.
Sie spielen Verstecken, und keiner findet
den Anderen.
Immer wieder taucht der Versteckte aus
dem Geäst wieder auf, und macht Buuhh!
Lachend und leichtfertig saußen sie wieder
davon.
Plötzlich bricht der Wind in sich zusammen.
Sie fallen hinab auf den Waldboden.
Erschrocken starren sie dem Boden entgegen.

Dort, wo das Blatt gelandet ist, liegen Tausende.


Die Feder, lag nun etwa 2 m über dem Waldboden,
auf einem kahlen Buchenast.
Sie schaute um sich, nach unten,
und suchte verzweifelt das Blatt. So viele waren
da, und keines konnte sich mehr regen,
windstill wars. Sie rief nach dem Blatt, das sie
gerade erst kennengelernt hatte.
Kein Lüftchen wehte, und niemand rührte sich.
Die kleine lebenslustige Feder kannte dieses
Gefühl nicht. Als sie den Vogel verließ war sie
frei und unbeschwert.
Und nun musste sie spüren, wie ihr etwas fehlte.

So verharrte sie, nicht fähig sich ohne Wind
zu bewegen.
Und wartete.

Endlich begannen ihre zarten Federhaare wieder
einen Windhauch zu spüren.
Bebend vor Ungeduld blickte sie nach unten,
als sie dann endlich vorne überkippte,
und nach unten schwebte.
Im nun schon raschelnden Laub suchte sie nun
nach dem einen Blatt. Alle sahen sich so
ähnlich, welches war es denn nun?
Da, war es nicht ihr neuer Freund,
der sich da regte?
Hallo?

Bist Du es?

Ja, es war das Blatt,
mit dem es so schön gespielt hatte.
Leider war der Wind so schwach geworden, dass
das Blatt nicht mehr vom Boden abheben konnte.
Die Feder aber wurde langsam davon getragen,
rief dem Blatt hinterher,
bedankte sich für die schöne Zeit, und
war bald im Dickicht verschwunden.
Dornig war es dort drin, und dunkel.
Kaum mehr ein Lüftchen schien hier hinein
zu kommen. Doch da kam noch eine große
Böe, und voller Glück jauchzte die Feder,
als gerade ihr Blatt zu ihr segelte.
Aufgeregt, über dieses große Glück
bemerkten sie nicht, wie es zu Rascheln
begann.

Eine Amsel suchte den Boden im Gebüsch ab.
Und da fand sie schon was sie haben wollte.
Eine Feder für ihren Nestbau.
Die Feder schrie auf, und rief nur noch
vielleicht sehen wir uns wieder...
Immer höher flog die Amsel, und im
nahegelegenen Fichtenwäldchen landete sie
in einem kleinen Baum, am Rand ihres neugebauten
Nestes, und legte die Feder mitten rein.
Ein ganzes Büschel Federn lag schon da,
gebettet in einer großen Mulde, die sie mit ihrem
Bauch geformt hatte, warm und weich, für die 2
Eier, die darin lagen.

Nun war die Feder wieder unter ihres gleichen,
nicht mehr alleine, aber nicht mehr frei.
Als dann aus den Eiern jeweils ein flauschiges
Federknäuel schlüpfte, wurde der Feder
endlich bewusst, dass ihre Wärme, zusammen
mit der Wärme der anderen Federn, und des
Mooses dazu dienten, den Jungen ein

neues Leben zu ermöglichen.
Mit diesen Gedanken plusterte sie sich so
auf, um ja die Wärme der Jungen zu speichern.
Die Feder, die nicht nur dem Vogel das Fliegen
ermöglichte, sondern Wärme.
Ihre Bestimmung setzte sich fort.
Und die des Blattes?

Erhalt des Lebens, am Ast und am Boden.