Der gläserne Mensch




Ich behaupte, dass die Offenheit, die jemand zeigen kann, also wenn jemand „naiv“ genug ist, und sich anderen gegenüber offen zeigt, keinesfalls zu seinem Ungunsten ist.
Sicher ist er angreifbar, wenn er seine Fehler gesteht, wenn er seine Schwächen darlegt, seine Emotionen und Gefühle.
Immer wieder habe ich es erlebt, wie sehr man verletzbar ist, wie weh es tut, wenn man enttäuscht und geschlagen wird.
Und trotzdem lege ich Euch alles in die Hände, weniger, damit Ihr damit etwas tut, oder mich gar verletzt, sondern mehr deshalb, damit Ihr sehen könnt, dass man damit um ein Vielfaches weiter kommt, als heute in der Gesellschaft gezielt, erwünscht, ersehnt wird.
Natürlich kann ich nicht das vorlegen, was Ihr als das ansieht, was erstrebenswert ist.
Und sicherlich, werdet Ihr auch sagen, so ein Spinner, aber das ist Euer gutes Recht.
Der gläserne Mensch, ist nicht der, den Ihr so befürchtet, der im Staat, in der Gesellschaft erkannt wird, über den unzählige Akten und Daten gesammelt wird, der kaum einen Schritt gehen kann, ohne beobachtet zu werden.
Der gläserne Mensch ist jemand, der keine Scheu hat, seine Fähigkeiten, aber auch Unzulänglichkeiten zu zeigen, der anderen Menschen nicht durch sein Sprechen, oder Schreiben, nicht durch seine Musik, seine Gedanken, sondern durch sein Zuhören, Sicheinfühlenkönnen, durch Hilfsbereitschaft, durch seine Erfahrungen aufzeigen kann, was wirklich wichtig ist, unabhängig von der Lebenssituation, in der man sich gerade befindet.
Ich sage, es ist wirklich nicht wichtig, wo man sich gerade befindet, wenn man immer, ja immer daran denkt, immer danach handelt, was wichtig ist.
Was ist denn so wichtig, dass man sein eigenes Leben unbeachtet lassen soll, die Krankheiten, die Misserfolge, all das, was einem so Probleme verschafft?
Was kann wichtiger sein, mehr wert sein, als das, was einem Tag ein, Tag aus beschäftigt?

Stellt Euch vor, ihr beginnt den Tag mit dem, was Ihr jeden Tag macht, und den ersten Menschen, dem Ihr begegnet, lächelt Ihr an, kein verständnisvolles Lächeln, kein gezwungenes Lächeln, sondern ein ehrliches Lächeln.
Was glaubt Ihr, was dann geschieht?
Hier in unserer Gesellschaft, werdet Ihr im ersten Moment vielleicht ein Lächeln entgegengebracht bekommen, aber dann kommt Zweifel auf, und Unverständnis. Macht aber dann unbedingt weiter, sagt guten Morgen, auch zu denjenigen, die Euch vermeintlich nicht mögen, auch zu denjenigen, die Ihr nicht so mögt, ja sogar meidet.
Macht damit weiter, trefft auf Unverständnis, auf Zweifel und noch mehr Abneigung, aber besteht darauf, nicht klein bei zu geben.
Was dann langsam geschieht, können viele von Euch sicherlich voraussehen.
In Gesprächen, die Ihr täglich führt, und auch in Handlungen, die Emotionen zeigen, Gefühle, überall, im Zwischenspiel mit anderen dürft Ihr alles zeigen, was in Euch vorgeht, und Ihr werdet sehen, wie die Menschen sich wandeln, ja sogar zugeben, sie hätten Euch verkannt, ganz anders eingeschätzt.
Es werden sich Worte formen, Gefühle und auch Erlebnisse, die Ihr nie für wahr gehalten habt, und noch etwas wird geschehen, Ihr werdet von einer riesigen Last befreit, Euch wird es wesentlich besser gehen, und vieles, was Ihr für unmöglich gehalten habt, wird real.
Kleine Gesten, die sowieso in Euch schlummern, ehrlich von Euch gegeben, nicht um zu verletzten, oder  Euch ein zu schleimen, bringen Euer Leben wieder in ein Lot, so in Waage, wie es kaum noch in Erinnerung ist.