Die Hochzeit






Eines Tages, ich wollte an diesem Tag heiraten, passierte mir Folgendes.
Ich weiß nicht mehr genau, ob ich alles, was bis zur Trauung geschah rekapitulieren kann, genauso wenig weiß ich, was die Nacht zuvor geschehen war, was wir gemacht hatten, aber wir kamen ziemlich spät, Morgens im Haus meiner Zukünftigen an, waren für diesen Tag noch nicht gekleidet.
Das Ungewöhnliche war aber die Geschichte mit dem Hemd, das ich mitgebracht hatte.
Das Haus war riesig, jede Menge Bedienstete liefen aufgeregt und geschäftig umher, der zukünftige Schwiegervater war auch noch nicht da. Teilweise waren schon Verwandte da, die nicht nur mit angebotener Hilfeleistung für Chaos sorgten, mit gut gemeinten Ratschlägen, sondern auch überall im Weg standen.
Jedenfalls sah ich das geschäftige Treiben in der Küche, die Aufregung, wenn der Küchenchef entdeckte, dass etwas misslungen war, oder etwas fehlte, ich sah, wie die Hochzeitstafel dekoriert und gedeckt wurde, wie hier und dort große Vasen mit Blumen aufgestellt wurden, man kam sich wirklich vor, als ob man hier nur stören würde.
Das Problem war das Hemd, überall wo ich also ging trug ich es bei mir, mit dem Ziel mich umzuziehen. Aber es gelang mir nicht, teilweise unbeholfen, fragend stand ich im Weg herum, größtenteils aber nach einem Bad oder Raum suchend, wo ich mich frisch machen und dieses Hemd anziehen konnte.
Endlich kam auch der Vater der Braut, war aber ständig am Telefonieren und kümmerte sich wenig um die Vorbereitungen und den Ablauf.
Ich konnte nicht einmal mit ihm sprechen, wir kannten uns allerdings auch kaum.
Als ich dann endlich das Gästebad entdeckte, war es natürlich besetzt.
Komischer Weise, immer, wenn ich wieder zum Bad zurückkehrte, ging gerade vor mir jemand hinein.
Als meine Zukünftige mir sagte, ich könne doch das private Bad im 1. Stock benutzen war ich erleichtert, könnte ich mich dort doch in Ruhe, außerhalb des Trubels fertig machen.
Klappte leider nicht, denn kurz vor mir belegte mein zukünftiger Schwiegervater das Bad, ging telefonierend hinein, schaute mich noch fragend an, was ich hier wohl wolle.
Es war zum Verzweifeln, nirgends konnte ich mich frisch machen und dieses Hemd anziehen.
Ich ging damit in den Garten, wo ich dann entdeckte, wie ihr Vater am Fenster stand und telefonierte. Sachen wurden ständig angeliefert, immer mehr Gäste kamen angefahren, und ich war immer noch nicht fertig.
Gerade wollte ich wieder ins Haus gehen, musste mich an den Lieferanten und Gästen vorbei schlängeln, da passierte es.
Irgendwo, ich weiß es nicht genau, blieb ich mit dem Hemd hängen, und es riss der Länge nach auf.
Was für ein Dillemma! Am Tag meiner Hochzeit, ohne angemessene Kleidung, unmöglich, was mache ich nur?
Suchend, innerlich um Hilfe schreiend, ich muss wirklich ein tragisches Bild abgegeben haben, lief ich wie kopflos umher.
Niemand schien sich dafür zu interessieren, sollte ich es nähen, oder irgendwie ein anderes besorgen?
Es war fast so, als ob ich hier nicht hergehörte. Aber ich wollte doch dieses weibliche Wesen zur Frau nehmen.
Verzweifelt und niedergeschlagen wanderte ich umher. Im Garten konnte ich erneut beobachten, wie ihr Vater am Fenster stand, telefonierte und einen flüchtigen Augenblick lang hatte ich das Gefühl, von ihm beobachtet zu werden. Erst dann spürte ich, dass ich von allen beobachtet wurde. Vielleicht war es ja auch so eine Art Schuldgefühl, dass mir dieses Missgeschick passiert ist, und ich mich dadurch von allen Seiten beäugt fühlte.
Es war unerträglich, nicht nur angestarrt zu werden, sondern keine Lösung für das Hemd zu finden.
Da kam meine Zukünftige auf mich zu, und sagte mir, ihr Vater möchte mich sprechen. Ihre zärtliche Art und ihre Stimme sagten mir nur, es wird alles gut.
In einem fast barschen Ton, etwas vorwurfsvoll und herabblickend empfing er mich, aber nicht in seinem Büro, sondern in eben diesem Bad, dass er, vom Gefühl her schon stundenlang besetzt hielt. Was ich denn nur mache, und ob ich mich nicht langsam fertig machen wolle, waren seine ersten Worte.
Ich sagte, dass ich das schon die ganze Zeit machen wollte, aber jedesmal, wenn ich ein Bad aufsuchen, und mich dort bereit machen wollte, war es besetzt.
Auch andere Räume fand ich besetzt, oder unzugänglich. Nun, um die Theatralik noch zu steigern sei auch mein Hemd völlig unbrauchbar geworden, und ich könne mir nur vorstellen, ein neues zu besorgen. Er blickte mich mit Röntgenstrahlen an, durchleuchtete mich bis in die tiefste Seele, und führte mich in einen Nebenraum des Bades, wo etwa 8 bis 10 neue Hemden lagen, fügte nur kurz hinzu, ich könne eines davon nehmen, und verließ das Bad.

Ich war zwar erleichtert, aber trotzdem baff.
Auf dem Weg zur Trauung flüsterte der Schwiegervater mir dann zu, er habe mich die ganze Zeit beobachtet, und beobachten lassen, um herauszufinden, wie ich reagiere, wie und wer ich bin, wollte seiner Tochter keinen hektischen, hysterischen Mann anvertrauen, und auch das Hemd ließ er unbemerkt zerreissen.
Ich wurde also noch am Tage meiner Hochzeit getestet, und anscheinend für gut befunden.
Welch ein Glück.
Erleichtert bin ich dann , nach langem Kampf für dieses Hemd aufgewacht,
so klar war der Traum, dass ich ihn so wiedergeben konnte.