Nebel im Winter

Unscharf, alles in ein zartes, hauchdünnes Weiß gehüllt. Man spürt die Kälte, feucht und überall haftend.

Der Raureif überzieht alles, die Bäume bis in die Spitzen der Nadeln. Ist alles erstarrt? Es scheint lebendig zu sein, einfach nur in einen Schleier gehüllt, auch wenn sich nichts bewegt, kein Lüftchen weht, es lebt.

Ja, auch wir Menschen leben darunter weiter, als ob keine Veränderung da ist. Unbeobachtet zeigt die Natur wunderschöne Bilder, zeigt sich im festlichen Kleid; Gott sei dank braucht sie nicht die Bewunderung, die Anerkennung, zeigt den Menschen ihre kalte Schulter und es ist ihr egal.

Das Treiben unter dem Nebel geht weiter.

Die Sonne, geschwächt und erschöpft, erhellt den Nebel, nur selten vermag sie ihn zu vertreiben.

Erst im Tunnel sind wir Menschen unter uns, kurz, und dann tauchen die raureifüberzogenen Bäume wieder auf. Komisch, sie scheinen doch gelegentlich zum Aufblicken zu fordern. Wie ein Gemälde von Kai Higashiama, oder sind es die natürlichen Vorlagen, die er so perfekt auf die Leinwand gebracht hat?

Häuser tauchen aus dem Nebel auf, auch auf ihren Dächern Raureif, man erkennt genau, wo keine gute Dämmung vorhanden ist, dort wo der Raureif verschwindet.

Alles ist überzogen damit, und gleicher gemacht. Betonkübel mit Sträuchern darin, ein Stromkasten, ja sogar der Müll, der am Rande liegt, alles mit Raureif überzogen, in gleiche Farbe getaucht.

Weiße Baumspitzen gegen den blauen Himmel gestreckt, von der Sonne erleuchtet: „Sind wir nicht schön?“

Ein Nebelschleier, hauchzart über dem Fluss, die Sonne spiegelt sich darin, ganz ruhig  fließt er, und auch hier in eine Art Schwarzweißbild verändert, kein Grün, nur weiß, nebelig. Nur der Himmel zuweilen offen und blau.

Milchig weiß, ein Filter über Konturen gelegt, mit feinsten Nadelspitzen, Härchen, in Gedanken die Möglichkeit überdenkend, um am PC ähnliche Kunstwerke, wie die Natur hervor zubringen, ähnlich der Bilder Higashiamas.

Kurz vorm Ziel in der Hoffnung auch auf dem Rückweg diese Bilder zu sehen.
Da fällt mir ein, es ist schon dunkel wenn ich den Rückweg antrete, mit meinen Kindern.